DIE BÖSEN VOYEURE
Dodi die Lage der Teen-Girls war nicht bequem, denn Mariechen lag oder stand, wie man es nehmen will, noch immer außerhalb des Bettes, halb kniend, halb stehend, halb liegend — für einen Zuschauer aber war das, wie unbequem es für Mariechen auch immer gewesen sein mag, der herrlichste Anblick, der sich nur erdenken läßt. Zuschauer? — Zuschauer! Um des Himmels willen! Zuschauer in diesem Augenblick, den doch der dichteste Schleier verhüllen sollte. Arme, verliebte, sexy Teens, es ist wirklich so: ihr habt Zuschauer! Zuschauer, die euch näher angehen als ihr denkt und die bisher jede eurer Bewegungen mit gierigen Augen, sprach- und atemlos verfolgt haben. Wie aber ist es möglich, in einem abgeschlossenen Zimmer Zuschauer zu haben? — Nichts leichter als das. Euch gegenüber, im dritten Stock, wohnen zwei Brüder, zwei stattliche, junge Leute, von denen der eine Student, der andere Handlungsdiener ist. Beide sind sie Söhne eines reichen Vaters, der in der Nähe von Dresden ein großes Rittergut besitzt. Sie sind beide zur gleichen Zeit nach Leipzig gekommen, der eine um die Rechte zu studieren, was schon an und für sich auf eine verwerfliche Sinnesart schließen läßt, der andere, um in einem der großen Handelshäuser seine merkantilischen Kenntnisse zu erweitern, was mitunter vonnöten sein mag. Beide sind sie jung und schön, der jüngere zwanzig, der ältere zweiundzwanzig Jahre alt, und wegen ihrer Eleganz ebenso wie wegen ihrer männlichen Schönheit ist ihre Gesellschaft von den jungen und älteren Damen der üppigen Handelsstadt gesucht.
Die Seufzer so mancher der Damen blieben bislang nicht unerhört, denn trotz ihrer großen Jugend verstehen sich die beiden Brüder auf die Geschäfte der Liebe, und sie haben schon vielerlei Erfahrungen gesammelt.
Ein junger, hübscher Mann, der von Hause aus Geld hat und sich nicht scheut, es auch auszugeben, findet täglich, ja stündlich, die beste Gelegenheit, die süßesten Liebesabenteuer zu bestehen. Sie haben bereits beide vielen schwärmerischen Mädchen die Köpfchen verdreht und viele Tränen sind ihrethalber schon geflossen. Du böser Student und du noch böserer Handlungsdiener! Warum spart ihr nicht lieber euer Geld oder gebt es den Armen, als daß ihr ihr es für Teensex ausgibt? ... Du böser Student und du noch böserer Handlungsdiener, und doch zugleich auch du guter, lieber Student und du noch lieberer, teurerer Handlungsdiener!...
Hah! ... sind sie es vielleicht? ...
Ja sie sind es, die Traumgeliebten der niedlichen Verkäuferinnen, die Heißersehnten des lieben Schwesternpaares, die gestern abend, beim Nachhausegehen, die armen Teen-Girls so bezaubert haben. Ihr armen, und doch wieder ihr glücklichen Schwestern! Ihr seid unvorsichtig gewesen, denn ihr habt vergessen, beim Schlafengehen die Rouleaux niederzulassen, und die bösen (oder auch guten) Geliebten standen schon mit Tagesanbruch am Fenster, um euer Erwachen zu belauschen. In eurer Vaterstadt brauchtet ihr freilich kein Rouleaux niederzulassen, denn erstens hattet ihr keins am Fenster, und zweitens war euer vis-a-vis ein unschuldiges Scheunendach, worauf nur selten eine einsame Krähe gesessen hat, vor der ihr euch ja nicht zu genieren brauchtet — aber Leipzig, Leipzig! Man ist dortselbst, zum eigenen großen Ärger, fast nie ungesehen. Die Brüder aber wohnen in dieser Stadt und in diesem Zimmer schon seit längerer Zeit, ohne daß das die Schwestern wissen können, und sie, die Brüder, haben die Teen-Girls jeden Morgen beim Aufstehen belauscht. Doch klug im höchsten Grade zeigen sie sich nie am Fenster, sondern stehen etwas entfernt, aber zwei schwere und schwarze Ferngläser aus der Nachbarstadt Jena setzen sie in den Stand, den ganzen inneren Raum des Zimmers und jede Bewegung seiner Bewohnerinnen zu erschauen. Auch heute stehen sie auf der Lauer, und was bietet sich ihren entzückten Blicken dar? Zuerst sehen sie Mariechen in ihrer unverhüllten Schönheit, dann Lolita im gleichen, üppigen Zustand. Oh, welch ein reizender, beneidenswerter Anblick! Bedenket doch, daß Mariechen erst siebzehn und Lolita erst neunzehn Jahre alt ist, und beide sind so sexy, jung und so schön ...
Der ältere Bruder, der Student, heißt Hans, und der jüngere, der Handlungsdiener, heißt Oskar, und ihrer bei der Zuname ist Schweif. „Wie lange schlafen die lieben Kinder heute nur?", zischelt Hans dem Bruder zu, gleich als ob er in Sorge wäre, sich zu verraten, wenn er lauter spräche, „es hat schon fünf geschlagen und doch liegen sie beide noch in süßem Schlummer." „Sieh, jetzt steht die eine auf", unterbrach ihn Oskar mit gleich leiser Stimme, „sieh, sieh doch, sie liegt im Bett und scheint zu beten, das fromme, liebe Kind." „Ach nein, sie betet nicht", rief Hans hastig zurück, „sie scheint in Gedanken verloren, jemanden an das Herz zu drücken. Oh, armes Kind, du drückst umsonst, oh, wäre ich doch drüben, wie wollte ich ..." „Sieh, sieh, oh, sieh doch nur, wie jetzt..." Mariechen sank eben zurück in die weichen Kissen, warf die Bettdecke von sich und streifte das Hemdchen auf bis unter die Arme, und das süße, tändelnde Fingerspiel begann, um den fliegenden Busen und das lechzende Purpurmündchen zu beschwichtigen. Beide Brüder sahen angestrengt und atemlos durch die Gläser. „Sieh, sieh, jetzt erwacht auch die andere", rief Hans wiederum, „sieh, wie sie dem Treiben der Schwester neugierig zuschaut, sieh nur, beim Teufel, jetzt fängt sie selbst an ..." Und auch Lolita war unterdessen erwacht. Ihr Köpfchen bog sich über das Kopfende des Bettes der Schwester und auch sie befolgte dasselbe süße Spiel, und das lüsterne Brüderpaar konnte die Blicke nicht losreißen, konnte sich an dem Anblick nicht sattsehen, den das liebliche Schwesternpaar, eine fast noch verführerischer als die andere, darbot.
Oh, ihr bösen, neugierigen Brüder! Was schaut ihr so frech hinüber, in das Heiligtum der ersten, jungfräulichen Liebe. Werft einen Schleier vor eure Augen und seid blind, denn ihr seid es ja — ihr habt dieses Unglück ja angerichtet.
Sie wagten anfangs kein lautes Wort zu sprechen und nur die tiefen Atemzüge bekundeten ihr Dasein. Ihr einziges Dichten und Trachten war, zu schauen, zu sehen, hinüberzublicken zu den Gegenständen ihrer Liebe. Zum Sehen geboren, zum Schauen bestellt. Dann erfolgten einzelne Laute der Bewunderung, und dann Seufzer, tiefe, sehnsüchtige Seufzer, und sie entflogen hochauf klopfenden Männerbrüsten. Jetzt sahen sie Julie aufspringen, an das Bett von Lolita eilen, und nun sehen sie, mit welcher Wollust beide Mädchen sich umfassen und die feurigsten Küsse tauschen. Sie, die Schwestern, scheinen zusammengewachsen zu sein, und in dieser Stellung verschiebt sich Mariechens Hemd und ihr entblößter Hinterkörper, von den Knöcheln hinauf bis zu dem blendenden Nacken, bietet sich den lüsternen, gierigen Blicken dar. Und so sahen sie Mariechen von der Rückseite, Jettdien von der Vorderseite, beide Mädchen nur so dürftig geschützt von den nachgiebigen, hochaufgeschürzten Hemdchen. Mariechen hat jetzt die Arme um Lolitas Nacken geschlagen, ihre Lippen fest auf diejenigen Lolitas gepreßt, und hebt sie bald zu sich empor, bald senken sich beide wieder hinab in den weichen Pfühl. Dem liebenden, glühenden Lolita gefällt das süße Spiel, ja sie scheint eine noch engere Berührung zu wollen, denn ihr rechtes Bein hebt sich aufwärts und schlingt sich um Juliens weiße Hüfte. Sie preßt sich mit ihren Beinen eng an Mariechen an und die Rabenlocken ihrer Scham kitzeln Juliens Nabel. Dieser nun scheint, angesichts dessen, ein engeres Umschließen auch wünschenswerter zu sein, denn sie drängt sich näher an das Bett und, als ob sie von allzu großer Erschöpfung übermannt sei, sinkt auf Lolita hin, lang ausgestreckt und Lippe an Lippe, Brust an Brust, Leib an Leib. „O Gott, o Gott", seufzte Lolita, „wie ist mir so warm, geh' doch herunter, du bist so schwer, geh' doch herunter, o weh, so geh' doch nur weg!" Doch Mariechen geht nicht herunter von dem schneeweißen, elastischen Leib; im Gegenteil: sie hält sich fest an dem Marmornacken und drückt die Stöhnende inniger an ihr eigenes, hochklopfendes Herz. Und auch die Rosenknöspchen der schönen Busen küssen und berühren sich, sie schwellen wieder auf, durch zarte Reibung, und stehen steil aufgerichtet da, und die zarten Purpurmündchen mit den Rabenlöckchen liegen jetzt Lippe an Lippe aufeinander und scheinen vor innerem Feuer zerbersten zu wollen. Und Mariechen bewegt sich rück- und vorwärts, zur Seite und im Kreise, bald langsam und bald schnell, und Lolita folgt seufzend den süßen Bewegungen. Ihr armen und doch wieder so unendlich glücklichen Mädchen, sagt an, wer hat euch dieses Spiel gelehrt? — Oder ist es die Natur, die Erfinderin und Lehrerin der wonnevollen Wollust? So liegen sie Lippe an Lippe, Busen-Rosenknöspchen auf Busen-Rosenknöspchen, Purpurmund mit seinen nächt'gen Rabenlöckchen auf Purpurmund, und sie drücken, sie reiben sich in unendlicher Wollust. Jetzt sprechen sie nicht mehr, die lieben Mädchen; ihre Sprache ist nur ein unterdrücktes Schluchzen geworden, sie stöhnen und ächzen gleichwie gedrückt unter schwerer Zentnerlast, und ihre lieben Gesichter glühen, ihre Augen leuchten in dunkler Glut, und ein gewaltiges Zittern bemächtigt sich der jugendlichen Körper.
Da, mit einem Male läßt Mariechen die umschlingenden Arme erschlaffen, die Lippe läßt die Lippe, der Busen den Busen fahren und sie sinkt ermattend und hinsterbend neben Lolita hin in einen süßen Wonneschauer, und eine zweite, verdoppelte Tränenflut benetzt das Bettuch, und wiederum strecken sich die zarten Schenkel und die weißen Waden lang und weit aus und die Zehen des niedlichen Fußes bohren sich wie krampfhaft in das Unterbett ein. „Oh, wie war das schön", sagt sie, und gleitet mit den Füßen aus dem Bett, um Lolitas schwarze Rabenlöckchen zu küssen, jene Stelle, an der sie selbst soviel Vergnügen empfunden hat und von der sie füglich glaubt, daß auch Lolita dort des zärtlichen Abschiedes bedarf. Die Schenkel der Schwester öffnen sich willfährig und Mariechens Rosenlippen finden in dem Gewirr der Locken keinen rechten Platz, sich im Kusse festzusaugen. So benutzt sie die Zunge um die Haare etwas zur Seite zu schieben, und sie schmeckt einen wundersamen Geschmack: herb und salzig und doch süß, erregend und befriedigend zugleich. Ihre Zunge stößt auf jenen etwas erhöhten, hervorragenden, weichen Gegenstand, den Mariechens Finger schon zu Beginn des Morgens entdeckt hatten und der jetzt hart und fest geworden ist, und sie versucht, sich daran festzusaugen. Mariechen hat sich auf die Seite gedreht, sie stöhnt verlangend und bemüht sich, der Schwester die Liebkosung recht leicht zu machen indem sie, beide Beine angezogen, einen der Schenkel der Schwester unter den Kopf geschoben und den anderen hoch aufrecht gestellt hat. Ihre Lippen wollen der Schwester den gleichen Liebesdienst erweisen und so sucht sie, Lolita wieder ins Bett zu ziehen.